post-title Als Führungskraft fordere ich von meinen Mitarbeitern Loyalität ein https://www.tdt-vs.com/wp-content/uploads/Loyalität-1.jpg 2017-03-07 09:40:34 yes no Gepostet von: Kategorien: Menschen führen, Wissenswerkstatt

Als Führungskraft fordere ich von meinen Mitarbeitern Loyalität ein

Als Führungskraft fordere ich von meinen Mitarbeitern Loyalität ein

Loyalität wird im betrieblichen Kontext von den eigenen MitarbeiterInnen eingefordert. Verständlich, dass eine Führungskraft sich darauf verlassen möchte, dass die MitarbeiterInnen, die sie führt, ihr auch folgen. Auch wenn das, was die Führungskraft entscheidet, nicht immer den Ansichten der MitarbeiterInnen entspricht. Eine Führungskraft muss sich auf die Treue seiner Mitarbeiter verlassen können.

Nur, was versteht man genau unter Loyalität? Für viele ist die Bedeutung des Begriffes nicht ganz klar. Muss ich loyal sein? Wo sind die Grenzen meiner Loyalität? Was darf ich als „Gegenleistung“ für meine Loyalität erwarten?

Hier eine Begriffsklärung:

LoyalitätLoyalität meint im betrieblichen Bereich, die auf gemeinsamen moralischen Werten basierende oder von einem Vernunftinteresse geleitete innere Verbundenheit zwischen einem Vorgesetzten und einem Mitarbeiter (Gibt es ein Leitbild, das diese Werte ausdrückt?). Es wird von Mitarbeitern erwartet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Zieles, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten bzw. diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt, solange dies der Bewahrung des gemeinsam vertretenen höheren Zieles dient. Loyalität zeigt sich sowohl im Verhalten gegenüber der Führungskraft, als auch Dritten gegenüber. Das können MitarbeiterInnen anderer Abteilungen oder auch Kunden sein. (nach Iser 2008)

Loyalitätskonflikt. Problematisch wird Loyalität, wenn sie vom Vorgesetzten eingefordert wird, bzw. Verhalten einfordert, bei dem der Mitarbeiter glaubt, dieses nicht mehr vor sich selbst vertreten zu können. Loyalität sollte eine Einstellung des Mitarbeiters sein, sozusagen aus innerer Überzeugung heraus.

Unterschiedliche Anforderungen können zu Loyalitätskonflikten führen. Das kann in jedem Unternehmen vorkommen. Oft kommt solch ein Konflikt allerdings in den Betrieben vor, die bestimmte Werte sehr offensiv vertreten. Oder dann, wenn große Teile der „Allgemeinheit“ eine andere Auffassung vertritt. Zum Beispiel bei kirchlichen Arbeitgebern, Rüstungs­betrieben, Atomkraftwerken.

Auch das wachsende Umweltbewusstsein kann MitarbeiterInnen in Loyalitäts­konflikte bringen. Das jüngste Beispiel dafür ist sicher der VW Abgasskandal. Wo aus Loyalität Betrug wurde.

Loyalität in der Wirtschaft. Wird „Loyalität“ zum Extrem, dann wird sie pervertiert. Bekannt als „Obrigkeitsdenken“ oder „bedingungslose Treue“ gegenüber einer Autorität.

Der Begriff Loyalität wird oft im Sinne von Zuverlässigkeit und Anständigkeit gegenüber der Gruppe, der man sich verbunden fühlt, gebraucht. D.h. Loyalität zielt nicht nur auf das Verhältnis von Führungskraft zu MitarbeiterInnen, sondern auch auf das Verhältnis des Einzelnen zu seinem Team.

Damit wird die Reichweite des Loyalitätsverständnisses erweitert. Unter anderem ist die Forderung nach Aufrichtigkeit und Fairness im Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und externen Partnern gemeint. Loyalität impliziert neben emotional verorteter Verbundenheit auch ein Handeln im Sinne des Unternehmens sowie eine dem entsprechende Fürsprache nach außen.

Loyalität und persönliche Ziele. Loyalität verbietet das Verfolgen individueller Ziele, die den Zielen des Unternehmens widersprechen, und setzt die Einhaltung von Bestimmungen und Regelungen des Unternehmens voraus. Individuelle Ziele und Loyalität können deshalb in einem (gesunden) Spannungsverhältnis stehen. Unter Angehörigen von Netzwerken wird ein besonders hohes Maß an Loyalität als Voraussetzung einer dauerhaften Gruppenzugehörigkeit erwartet.

Das Bewertungskriterium der Leistung verliert gelegentlich gegenüber dem Anspruch auf Loyalität teilweise oder ganz an Bedeutung. Wenn allerdings die Kohäsion der Gruppe wichtiger wird, als das Leistungsstreben, wird die Loyalität zur Gruppe manches Mal zur Leistungsverweigerung.

Fürsorgepflicht. Der Treuepflicht des Mitarbeiters entspricht eine Fürsorge­pflicht des Vorgesetzten. D.h. der MitarbeiterIn kann für seine Treue zum Unternehmen / zur Führungskraft auch erwarten, von seiner Führungskraft entsprechend gestützt / unterstützt zu werden. In Zeiten häufig befristeter Arbeitsbeziehungen sicher eine große Herausforderung. Auch hier entsteht ein Spannungsfeld zwischen unternehmerischen Zielen und möglicher Fürsorge.

LoyalitätLoyalität und Unrecht. Durch die Verankerung in einem übergeordneten Wertesystem, das auch das Firmenleitbild miteinschließt, sind Auswüchse wie z.B. Kadavergehorsam oder vorausweilender Gehorsam auszuschließen. Dafür müssen allerdings im Unternehmen die Feedback-Voraussetzungen geschaffen werden, solche Verhaltensweisen auszuschließen. Führen wir im Unternehmen Leitbilder ein, so müssen die Grenzen der Loyalität besprochen und mit allen Unternehmensbeteiligten geklärt werden.

Insbesondere erwächst dem Mitarbeiter daraus das Recht und sogar die Pflicht zur Untreue, also zum Ungehorsam, sofern die Ausführung von Anweisungen übergeordnete Werte verletzen würde. Wie sollte sich der einzelne Ingenieur verhalten, der weiß, dass die Abgasreinigung nicht legal funktioniert? Was soll der Mitarbeiter tun, wenn er erfährt, dass Schmiergeldzahlungen „üblich“ sind? Die Krux ist, dass häufig unklar bleibt, welche Werte vom Arbeitnehmer als übergeordnet betrachtet werden dürfen und „anerkannt“ sind (Ist der Whistleblower „im Recht“?). Wir wissen zu genau, was dem Überbringer der schlechten Nachricht passiert. Untreue im Sinne strafrechtlichen Eigennutzes ist selbstverständlich nie gestattet.

Für Unternehmen ist es wichtig, über diese Thematik zu sprechen und damit, sowohl Führungskräften als auch den MitarbeiterInnen, größere Sicherheit in ihrem Handeln zu geben. Im Rahmen der Einführung oder Überarbeitung eines Leitbildes besprechen wir diese Thematik. Klar wird bei den dann einsetzenden Diskussionen natürlich auch, dass es keine einfachen Antworten im Sinne von „wenn a passiert, dann mache b“ möglich sind. Loyalität bleibt immer eine Ermessens- und Gewissenssache.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solve : *
13 − 13 =